Glücksspielstaatsvertrag und Pferdewetten: Die Rechtslage

Die Regulierung von Pferdewetten in Deutschland hat eine Komplexität erreicht, die selbst Juristen ins Schwitzen bringt. Wer sich in das Thema einarbeitet, stößt auf einen Dschungel aus Bundesgesetzen, Landesgesetzen, Staatsverträgen und europäischem Recht, in dem sich die Zuständigkeiten überschneiden und die historisch gewachsenen Strukturen des Pferdewetten-Marktes auf die moderne Glücksspielregulierung treffen. Trotzdem lohnt sich ein Grundverständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen — nicht aus juristischem Interesse, sondern weil die Regulierung direkten Einfluss darauf hat, welche Anbieter legal sind, wie die Wettsteuer funktioniert und welche Schutzmaßnahmen für Spieler gelten.
Die gute Nachricht vorweg: Pferdewetten bei lizenzierten Anbietern sind in Deutschland legal. Die Details, warum und unter welchen Bedingungen, sind allerdings weniger einfach — und genau darum geht es in diesem Artikel.
Glücksspielstaatsvertrag: Die Sonderstellung von Pferdewetten im deutschen Recht
Pferdewetten nehmen im deutschen Glücksspielrecht eine historische Sonderstellung ein. Während Sportwetten erst mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 umfassend reguliert wurden, existiert für Pferdewetten seit 1922 ein eigenes Gesetzeswerk: das Rennwett- und Lotteriegesetz (RennwLottG). Dieses Gesetz regelt die Veranstaltung und Vermittlung von Pferdewetten und bildet bis heute die rechtliche Grundlage für den Betrieb von Totalisatoren und die Vergabe von Buchmacherlizenzen im Pferderennsport.
Die Sonderstellung zeigt sich auch im Glücksspielstaatsvertrag selbst. Pferdewetten werden dort ausdrücklich definiert als Wetten aus Anlass öffentlicher Pferderennen und anderer öffentlicher Leistungsprüfungen für Pferde. Für Pferdewetten gelten nur ausgewählte Paragraphen des Staatsvertrags — die allgemeinen Ziele, die Werbebestimmungen und die Vorschriften des achten und neunten Abschnitts. Die detaillierten Regelungen für Sportwetten, wie das Einzahlungslimit oder bestimmte Spielerschutzvorschriften, finden auf Pferdewetten nicht in vollem Umfang Anwendung.
Diese Sonderbehandlung hat historische Gründe: Der Totalisator ist seit über 150 Jahren Teil des deutschen Pferderennsports und dient der Finanzierung der Rennvereine. Der Gesetzgeber hat diese Tradition anerkannt und Pferdewetten bewusst nicht den gleichen Restriktionen unterworfen wie das allgemeine Sportwettangebot.
Lizenzen und legale Anbieter
Die Lizenzlandschaft für Pferdewetten in Deutschland umfasst zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene steht das Rennwett- und Lotteriegesetz, das den Betrieb von Totalisatoren durch die Rennvereine regelt und Buchmacherkonzessionen für Pferdewetten vergibt. Auf der zweiten Ebene reguliert der Glücksspielstaatsvertrag die Online-Vermittlung von Pferdewetten und unterwirft sie den Genehmigungsverfahren der GGL.
Die drei großen deutschen Pferdewetten-Anbieter — pferdewetten.de, RaceBets und Wettstar — operieren unter verschiedenen Lizenzmodellen. Pferdewetten.de verfügt über eine deutsche Lizenz und ist als börsennotierte Aktiengesellschaft besonders transparent. RaceBets, Teil der schwedischen Betsson-Gruppe, hält sowohl eine deutsche als auch eine maltesische Lizenz. Wettstar operiert als Totalisator-Vermittler im Rahmen des Rennwett- und Lotteriegesetzes und leitet die Wetten an die offiziellen Totalisatoren weiter.
Für den Wetter ist die Lizenz ein Qualitätsmerkmal. Ein lizenzierter Anbieter unterliegt der behördlichen Aufsicht, muss Spielerschutzmaßnahmen implementieren, seine Finanzen offenlegen und kann bei Verstößen sanktioniert werden. Ein unlizenzierter Anbieter bietet diese Sicherheit nicht — selbst wenn seine Quoten attraktiver wirken.
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 und seine Auswirkungen
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021, der am 1. Juli 2021 in Kraft trat, hat die deutsche Glücksspiellandschaft grundlegend umgestaltet. Erstmals wurden Online-Glücksspiele unter restriktiven Bedingungen bundesweit erlaubt, eine zentrale Aufsichtsbehörde geschaffen und einheitliche Spielerschutzstandards eingeführt.
Für den Pferdewetten-Markt brachte der Staatsvertrag vor allem Klarheit im Online-Bereich. Das Veranstalten und Vermitteln von Pferdewetten im Internet ist unter den Voraussetzungen des Staatsvertrags erlaubnisfähig, wobei die Zuständigkeit für Online-Pferdewetten beim Land Hessen liegt. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat bis 2024 insgesamt sechs Genehmigungen für Veranstalter von Pferdewetten erteilt — ein überschaubares Feld, das die Besonderheit des Marktes widerspiegelt.
Eine wichtige Bestimmung betrifft das Trennungsgebot: Sportwetten und Pferdewetten dürfen auf derselben Internetdomain angeboten werden, müssen aber in getrennten Bereichen dargestellt werden. Ein Anbieter, der sowohl Sport- als auch Pferdewetten führt, muss sicherstellen, dass keine direkte Werbung zwischen den Bereichen stattfindet und zwischen dem Wechsel eine Minutenpause eingehalten wird. In der Praxis betrifft diese Regelung Anbieter wie pferdewetten.de, die neben Pferdewetten auch ein Sportwetten-Angebot führen.
Spielerschutz und Aufsicht
Der Spielerschutz ist ein zentrales Anliegen des Glücksspielstaatsvertrags. Für Pferdewetten gelten die allgemeinen Schutzvorschriften: Identitätsprüfung bei der Registrierung, Maßnahmen zur Suchtprävention und die Möglichkeit der Selbstsperre. Die anbieterübergreifende Spielersperrdatei OASIS erfasst grundsätzlich auch Pferdewetten, wobei für Totalisator-Wetten auf der Rennbahn Ausnahmen bestehen.
Die Aufsicht über den regulierten Markt liegt bei der GGL mit Sitz in Halle an der Saale. Die Behörde überwacht die Einhaltung der Lizenzauflagen, kann Maßnahmen gegen unlizenzierte Anbieter ergreifen und ist für die Bekämpfung des Schwarzmarkts zuständig. Für Pferdewetten-Kunden bedeutet das: Wer bei einem in Deutschland lizenzierten Anbieter wettet, genießt einen regulatorischen Schutzrahmen, der bei Offshore-Anbietern ohne deutsche Lizenz nicht gegeben ist.
Die Werberegulierung ist ein weiterer Aspekt, der den Pferdewetten-Markt betrifft. Werbung für Pferdewetten im Internet und im Fernsehen ist grundsätzlich erlaubt, unterliegt aber den allgemeinen Grundsätzen des Staatsvertrags: Sie darf nicht irreführend sein, nicht gezielt Minderjährige ansprechen und muss auf die Gefahren des Glücksspiels hinweisen. Im Fernsehen ist Werbung für Sportwetten unmittelbar vor oder während der Live-Übertragung von Sportereignissen auf dieses Sportereignis nicht zulässig — eine Regelung, die für Pferdewetten in der Praxis kaum relevant ist, weil Pferderennen im deutschen Fernsehen selten live übertragen werden.
Für den bewussten Pferdewetten-Kunden bietet die Regulierung einen Rahmen, in dem verantwortungsvolles Wetten möglich ist. Einzahlungslimits können selbst festgelegt werden, Spielpausen sind auf Anfrage möglich, und die Selbstsperre über das OASIS-System gilt anbieterübergreifend. Wer merkt, dass das Wetten problematische Züge annimmt, findet in diesem System einen Schutz, der vor dem Glücksspielstaatsvertrag in dieser Form nicht existierte.
Aktuelle Entwicklungen 2025/2026
Der Glücksspielstaatsvertrag wird derzeit evaluiert, und eine abschließende Bewertung soll bis Ende 2026 vorliegen. Im Juli 2025 wurde der Entwurf eines Zweiten Glücksspieländerungsstaatsvertrags bei der Europäischen Kommission notifiziert. Das Ziel ist eine Ratifizierung durch alle Länderparlamente im Frühjahr 2026, sodass die Anpassungen noch 2026 in Kraft treten könnten.
Die geplanten Änderungen betreffen primär administrative Verfahren, den Vollzug gegen unlizenzierte Anbieter und die Zusammenarbeit mit internationalen Behörden. Grundlegende Veränderungen für den Pferdewetten-Markt sind in dieser kleinen Anpassung nicht vorgesehen — diese könnten erst mit einer umfassenden Neufassung des Staatsvertrags kommen, die für 2029 anvisiert ist.
Was Wetter wissen müssen
Für den durchschnittlichen Pferdewetten-Kunden lässt sich der rechtliche Rahmen auf wenige praktische Punkte reduzieren. Erstens: Pferdewetten bei lizenzierten deutschen Anbietern sind legal und reguliert. Zweitens: Die Wettsteuer von 5,3 Prozent ist gesetzlich verankert und wird je nach Anbieter unterschiedlich gehandhabt. Drittens: Spielerschutzmaßnahmen wie Einzahlungslimits und Selbstsperren stehen zur Verfügung und sollten bei Bedarf genutzt werden. Und viertens: Wer bei einem Anbieter ohne deutsche Lizenz wettet, bewegt sich in einem unregulierten Bereich ohne den Schutz, den der Glücksspielstaatsvertrag bietet.
Die Regulierung mag bürokratisch und kompliziert wirken, aber sie dient einem legitimen Zweck: dem Schutz der Spieler und der Integrität des Marktes. Wer bei einem regulierten Anbieter wettet, kann sich auf faire Bedingungen verlassen — und das ist mehr, als der Schwarzmarkt jemals garantieren kann.
Von Experten geprüft: Tobias Busch
